Samstag, 1. Februar 2014

Gesetzgebung und Realität

In Frankreich ist Abtreibung nunmehr gesetzlich ohne jegliche Notlage erlaubt und, natürlich, dann auch kostenlos. Die Regierung sieht darin «nur eine längst fällige Anpassung an die Realität».
In der Tat: es ist gefährlich, die Gesetzgebung nicht nach der Realität auszurichten. Als umgekehrt etwa Abraham Lincoln in den USA es unternahm, statt dessen die Realität den Gesetzen zu unterwerfen, die Sklaverei abzuschaffen, gab es einen großen Krieg; und danach wurde er selber ermordet. Als etwas später Kaiser Pedro II. das gleiche in Brasilien versuchte, wurde er gestürzt, die Monarchie abgeschafft.
Da hat sich es die französische Regierung doch leichter gemacht.

Eine Petition und ein Kommentar

Ein Leserbrief:

Sehr geehrte Frau Pohl,

eine Petition zu einer baden-württembergischen „Bildungsplanreform“. Wenn mir auch deren Vorlage in einem weit entfernten Bundesland wenig Bedeutung zu haben scheint, so habe ich mir dennoch den Text angesehen – nicht zu beanstanden, sehr freundlich in Haltung und Tonart:
«Wir unterstützen das Anliegen, Homosexuelle, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle nicht zu diskriminieren.»
«Gegenseitige Achtung und Respekt sind Aufgabe aller Beteiligten im Bildungsbereich.»

Und dann ein Kommentar von Ihnen:
«Um die 160.000 Unterschriften hat der Schwarzwälder Realschullehrer Gabriel Stängle mit seiner menschenverachtenden Onlinepetition bereits gesammelt.»
«Auch Vertreter der christlichen Kirchen hetzen mit ähnlichen Schriften. ... [(Text wird hier zitiert – unglücklich formuliert, aber durchaus nichts Hetzerisches –, jedoch keine Quelle genannt)] »
Ihr Wunsch: «Entsprechend wichtig ist es, nicht aufzuhören, weiter aufzuklären, dass man nicht schwul oder lesbisch gemacht wird, sondern einfach so geboren ist.» Also: eine rein weltanschaulich begründete Annahme soll als Aufklärungsprinzip durchgezogen werden, offenbar auch von Schulen, deren weltanschauliche Neutralität sonst gern eingefordert wird.
Und dann: «In der aktuellen Debatte wird dabei wie so oft durcheinander gebracht, dass es nicht um Sexualpraktiken geht, sondern um Toleranz.» Um Toleranz auch gegenüber weltanschaulich Ihnen nicht konformen Menschen möchte ich Sie in der Tat bitten.

Montag, 30. Dezember 2013

Der Kommissar der Kurie

Der „Apostolische Kommissar“ Fidenzio Volpi OFM Cap, der von der Ordenskongregation den Franziskanern der Immaculata vorgesetzt worden ist, begründete nun sein eliminatorisches Vorgehen gegen sie damit, sie seien «in eine „krypto-lefebvrianische, jedenfalls traditionalistische“ Richtung „abgedriftet“».
„Traditionalistische“ Richtung? Daß sie dem antiphilosophischen Traditionalismus anhingen, der in seiner radikalen Form vom I. Vaticanum verurteilt wurde, der Ideologie, bei der einst Immanuel Kant Pate stand (zu dessen Argumentation siehe: „Interview mit einem intelligenten Atheisten“), deren Nachbeben die „Diastasentheologie“ Karl Barths darstellte, das scheint denkbar unwahrscheinlich. Und wenn „traditionalistisch“ in einem anderen Sinn gemeint ist: worin könnte da ein Vorwurf begründet sein?
„Krypto-lefebvrianisch“? Haben sie Priester heimlich von Bischöfen der Pius-Bruderschaft zu Bischöfen weihen lassen? Wenn, dann wäre kirchenrechtlich dagegen vorzugehen – bisher aber ist nichts derartiges bekannt geworden. Oder haben sie nur von Bischöfen der Bruderschaft Diakone, Priester weihen lassen? Auch davon ist bisher nichts bekannt geworden. Doch wenn es so wäre – hat der Kommissar keine anderen Sorgen?
Es wäre eine Farce, wäre das Vorgehen nicht vor solcher Brutalität.

Bitte unterzeichnet die Bitte um Absetzung des Kommissars.

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Die „sexuelle Revolution“

Ein langes Interview mit Mitwirkenden und Sympathisanten:
«Man muss sich in die Zeit versetzen: Man hatte sich gerade vom kirchlichen Sextabu befreit und nichts als Sexualität im Kopf: Man diskutierte in Seminaren und Arbeitsgruppen über Sex, gründete Kommunen. Ich kannte Frauen, die arbeiteten in Peepshows. Diese sexualisierte Atmosphäre griff natürlich auch auf die Kinder über.»
«Und wenn er ein Kind auch unter der Gürtellinie gestreichelt hat, finde ich auch das nicht schlimm. Das hat nichts mit Pädophilie zu tun.»
«Sicher: Die Indianerkommune besetzte uns und drückte ihre Forderungen nach „Kinderrechten“ wie freiem Sex und Schuleschwänzen ins Blatt. Aber das Thema war unwichtig.»
«Da sieht man, wo die sexuelle Revolution gescheitert ist: überall Sex, nur nicht in den Beziehungen. Viele Paare trennen sich, weil sie sexuell nicht zurechtkommen, oder Männer gehen dann in den Puff, statt daran zu arbeiten.»
Wenn man dieses Interview gegen den Strich liest, kann man darin durchaus eine überzeugende Argumentation für die kirchliche Sexualmoral entdecken.

Montag, 2. Dezember 2013

„Evangelii Gaudium“ aus kirchenferner Sicht

Nein, keine gute Katholikin, aber auch keine trivial-blindwütige Kirchenfeindin, und jedenfalls eine kluge Beobachterin – Doris Akrap kommentiert die neue Enzyklika:
«Das als revolutionär gefeierte „Evangelii Gaudium“ macht Eindruck. Und zwar den, der Verfasser habe der Lektüre des strukturalistischen Philosophen Gilles Deleuze mehr abgewinnen können als dem Lesen in der Bibel.»
«.. etwas an all dem Revolutions- und Umsturzpathos des Papstes löst ein Unbehagen aus. Ja, der Papst attackiert zahlreiche Grundfesten der katholischen Kirche. Aber ist das nicht alles ein bisschen viel auf einmal? Und ist es nicht so, dass, wer keine Vision hat, eine Reform ankündigt? Und dann noch eine und noch eine, bis am Ende niemand mehr weiß, in welchem Reformstau man gerade steht, worum es da eigentlich grade geht?»

Dienstag, 12. November 2013

Empfinden Heilige in der Herrlichkeit noch Schmerz?

Wenn, dann werden Padre Pio die Geschehnisse um die Franziskaner der Immaculata, die er gleichsam aus der Taufe gehoben hat, sehr schmerzen.
Der sehr achtenswerte Kardinal Castrillón Hoyos beschwichtigt im Blick darauf. Doch beunruhigend bleibt es, wenn er die Maßnahmen als Reaktion auf internen Streit zurückführt – das hieße ja, daß eine Handvoll interner Diversanten Macht hat, einen Orden zu beschädigen.
Bemerkenswert aber ein Verwirrspiel: laut kath.net ist die Rede von «den „Friars of the Immaculate“, einem US-amerikanischen Franziskanerorden». Der Orden ist international, in Italien entstanden, heißt «Francescani dell'Immacolata», auf Englisch «Franciscans of the Immaculate».

Samstag, 19. Oktober 2013

Inquisition 2.0

Ein neues Mitglied der Bloggözese ist, wie Dilettantus in Interrete uns lehrt, aufgetaucht; und der Warnhinweis von Google, der (in Wirklichkeit natürlich in keinster Weise pornographische oder politisch korrekte) Blog enthalte «möglicherweise Inhalte, die nicht jugendfrei sind», verpflichtet uns fast, ihn in unsere randständige Sammlung aufzunehmen. Und tatsächlich ist das neue Blog interessant und lesenswert.
Doch hindern mich orthographische und grammatikalische Bedenken gegenüber seinen Positis, ihm freie Bahn zu gewähren. Doch ich will es weiter verfolgen.