Mittwoch, 20. Mai 2020

Handkommunion in der Syrisch-Orthodoxen Kirche

Vom evangelischen Konfessionskundlichen Institut ist zu lesen in einem Text „Aus den orientalisch-orthodoxen Kirchen“ aus der Folge „Die Kirchen und die Corona-Krise“:
«„Wir glauben fest, dass der Heilige Leib und das Heilige Blut unseres Herrn Jesus Christus eine Quelle der körperlichen und geistlichen Heilung ist. Dennoch kann man die Art und Weise, wie die Kommunion empfangen wird, überprüfen, um nicht zur Verbreitung der Krankheit beizutragen“, schreibt Patriarch Mor Ignatius Ephräm II. Karim. Während üblicherweise die Mundkommunion praktiziert wird, weist er in diesem Brief eindringlich darauf hin, dass es in der frühen Syrischen Kirche Brauch war, die Kommunion in die Hand zu erhalten (Dabei ist das Brot mit etwas Wein getränkt). Dies ... bedeutet aber für Syrische Christen zunächst eine Überwindung, da sie gelernt haben, dass das heilige Sakrament nicht mit bloßen Händen berührt werden darf. Um diese Praxis den Gläubigen nahe zu bringen, wird auf einen der wichtigsten Kirchenväter der Syrisch-Orthodoxen Kirche hingewiesen, Ephräm den Syrer (ca. 306-373), in dessen Werken die Handkommunion bezeugt ist.
Für etliche Gläubige und auch Kleriker war dies zunächst schwierig zu akzeptieren, wie Erzbischof Mor Polycarpus vom Kloster Glane in den Niederlanden berichtet. Aber spätestens als bekannt wurde, dass in Schweden aufgrund der lockeren Praxis etwa 100 Gemeindeglieder der Syrisch-Orthodoxen Kirche aufgrund ihrer Teilnahme am Gottesdienst infiziert wurden und starben ...»
Ich beanstande nicht die Handkommunion an sich, wohl aber die gegenwärtige Praxis der Handkommunion in der heutigen lateinisch-katholischen Kirche. Um so mehr beeindruckt es mich, wie der Patriarch, da er die Handkommunion aus hygienischen Gründen gestattet, das nicht tut, ohne dafür theologische Rechenschaft abzulegen.

Montag, 16. März 2020

Die Kirche in Zeiten der Coronophobie

« Es wird ab sofort auf alle öffentlichen Gottesdienste und alle weiteren öffentlichen kirchlichen Veranstaltungen in den Pfarreien und Institutionen im Bistum Dresden-Meißen bis auf weiteres verzichtet. Die Sonntagspflicht ist damit aufgehoben. » Aber wenn mich jetzt auch nicht die Sonntagspflicht zur Kirche treibt, so doch habe ich doch Bedarf nach einer Messe. Was tun?
Ein kleiner Trost: « Das Bistum wird am Sonntag, 15. März, um 11 Uhr eine Gottesdienstfeier im Live-Stream aus der Leipziger Propstei St. Trinitatis übertragen, zu deren Mitfeier alle Gläubigen von zu Hause aus eingeladen sind. Der Stream wird über die Internetseite des Bistums zur Verfügung stehen. » Also begebe ich mich am Sonntag um 11 auf ebendiese Internetseite, doch ein Link ist nicht angegeben. So durchforste ich diese ganze Internetseite, doch ohne Erfolg. So durchforste ich diese ganze Internetseite der Leipziger Propstei, doch mit ebensowenig Erfolg. Und die Messe auf EWTN ist längst zu Ende.
Selber werde ich schließlich noch anderweitig fündig; aber von der Internetseite des Bistums finde ich mich verschiffschaukelt.

Uns bleibt, die heilige Jungfrau anzurufen mit den Worten eines unbekannten Frommen, die Mozart vertont hat:
«Tu virginum Corona,
tu nobis pacem dona,
tu consolare affectus,
unde suspirat cor. »

Montag, 10. Februar 2020

Sprachkundige Überprüfung erbeten

Ich habe mich darangemacht, den Angelus ins Griechische (in jene kirchliche Sprache zwischen klassischem Attisch und neutestamentlicher Koiné) zu übersetzen. Leider hat meine Kenntnis der Sprache Grenzen; darum bitte ich um sprachkundige Überprüfung.

Samstag, 1. Februar 2020

Organspende

«Zu wenige Organspender, also zu wenige Spenderorgane und zu viele Tote», so finde ich die Geschäftsführerin des Vereins „Junge Helden“ zitiert. Ich fühle mich nicht zu einem endgültigen Urteil über Organspenden berufen – empfangen jedenfalls will ich keine solche Spende –, aber da nur ein lebender Mensch ein Organ spenden kann, erscheint es mir frivol, von der Zustimmung des Spenders abzusehen (und da man von «Spenden» sprichst: auch der Begriff des Spendens erfordert diese Zustimmung).
Aber zur aktuellen Diskussion wies mich ein Leserbrief von Herrn Hans-Walter Roth darauf hin, daß die Politik zur Zeit an der falschen Stelle ansetzt: «Dabei täte es doch gut, erst einmal den Arzt oder Apotheker zu befragen, denn es berichten uns die Medien in diesen Tagen, allerdings eher am Rande, dass in Deutschland die Vorräte an lebenswichtigen Medikamenten zur Neige gehen. Die Pharmaindustrie hat zu sehr auf Gewinn gesetzt und billig im Ausland produzieren lassen, wobei die Kontrollen nicht ausreichend zu sein schienen. Schon jetzt sind über 240 Präparate in unseren Apotheken nicht mehr lieferbar. Nachschub ist nicht in Sicht, es droht ein Chaos. Makaber dabei ist, dass uns gerade jetzt auch die Medikamente ausgehen, die ein Patient mit einem fremden Herzen zum Überleben braucht.» (Ungefragt Organspender. Leserbrief vom 18.1.2020 zu „Sollen wir alle Organspender*innen sein?“, taz vom 14. 1. 20)
Zu viele Tote? Hier lohnte sich das Eingreifen des Gesetzgebers.

Samstag, 28. Dezember 2019

Wann in Deutschland Kirchen von Amts wegen abgerissen werden

In einem Artikel von Marina Mai (Auf Buddha gebaut. taz Berlin vom 16.12.2019), in einem Zusammenhang, der hier nicht weiter von Belang ist (Pagode in Lichtenberg soll weg), ein klarer Satz:
«In Deutschland werden Gotteshäuser meist nur dann auf behördliche Anordnung geschlossen, wenn sie Tagebauen im Weg stehen, wie derzeit im Hambacher Forst.»

Mittwoch, 20. November 2019

Bitte: Bildung! Bitte!

Zwei an sich durchaus lesenswerte Zeitungsartikel; nur:

Die verkannte Nation wirbt für Sympathie für Albanien (taz vom [Druckdatum] 9./10. 11. 2019). Dort steht der Satz: «Obwohl der säkulare Mittelmeerstaat mehrheitlich muslimisch geprägt ist, fällt dies einem indoeuropäischen Reisenden kaum auf.» Muslimûn sind die Angehörigen einer Religion, Indoeuropäer die einer Sprachenfamilie. Ob die mehrheitlich muslimische Prägung des Landes einem Reisenden auffällt, hat nichts mit dessen Muttersprache zu tun. Nebenbei: die Albaner selber sind Indoeuropäer.

Das Land der Ahnen spricht von der Schwierigkeit, in einem Land – Namibia, einst Deutsch-Südwest –, in dem vor mehr als einem Jahrhundert die deutsche Kolonialmacht Einheimische enteignet hat und an Ovaherero und Khoi (Nama und Damara, „Hottentotten“) Völkermord verübt hat, Gerechtigkeit herzustellen (taz vom 16./17. 11. 2019).
Dort findet sich der Satz: «Der Professor ... ist Ovaherero.» Ich beherrsche weder das Kiherero noch eine andere Bantu-Sprache, doch einfachstes Wissen über diese Sprachen reicht aus, zu sehen, daß Ovaherero die Pluralform ist; der Mann ist Muherero.

Sonntag, 27. Oktober 2019

«Beuge dein Haupt, stolzer Sugambrer, verbrenne, was du angebetet hast, und bete an, was du verbrannt hast»

– das hat der heilige Remigius, so haben wir in der Schule gelernt, Chlodwig bei dessen Taufe im Jahre 496 gesagt. Nur: Neuhochdeutsch hat er nicht gesprochen. Was hat er wirklich gesagt?
Leicht ist es, im Netz die neufranzösische Version zu finden: «Courbe la tête, fier Sicambre, abaisse humblement ton cou. Adore ce que tu as brûlé et brûle ce que tu as adoré». Nur: Neufranzösisch hat er ebensowenig gesprochen. Er mag Altniederfränkisch oder Altgalloromanisch gesprochen haben, aber überliefert sind seine Worte sicher auf Latein. Nur: den lateinischen Text zu finden gestaltet sich schwieriger.
Schließlich stoße ich auf die „Vie de Saint Eloi, évêque de Noyon (588-659)“ par Saint Ouen, Paris 1847: Diese ersten Worte seien ein Irrtum des vorigen (XVIII.) Jahrhunderts; der überlieferte lateinische Text sei «Mitis deponito colla Sicamber.»
Der ganze Text aber ist in noch tieferen Tiefen des Netzes zu finden:
Die Wirtzburgische Chronick bietet ihn in ihrem Ersten Theil „von dem Jahr 1500 biß 1642“:
«Mitis depone colla Sicamber, adora quod incendisti, & incende quod adorasti.»
«Deponito» könnte allerdings als lectio difficilior gegenüber «depone» den Vortritt beanspruchen.