Dienstag, 29. Januar 2019

Am Fest der Translatio des heiligen Thomas

bekam ich Anlaß zu einem aufschlußreichen Gespräch.
Der Laie meint natürlich, daß die Summa Theologica des heiligen Thomas zusammen mit Bibel und Denzinger oder Mansi die Grundausrüstung für die Arbeit eines jeden Theologen darstellt. Doch nun erfahre ich, daß es keineswegs so ist, daß nicht nur nicht jeder Theologe sie stets zur Hand hat, daß sie nicht einmal mehr im Theologiestudium eine zentrale Rolle spielt, geschweige denn immer gegenwärtig sei.
So läßt sich verstehen, wie es zu solcher „Theologie“ kommen kann.



Samstag, 19. Januar 2019

Das ganze Kirchenrecht

aus der großen Zeit der Kirche ist hier zu finden:
Canon Law – sprich: Codex juris canonici

Donnerstag, 29. November 2018

Wieder ein kleiner Schritt, der gut tut

Bis vor wenigen Jahren habe ich regelmäßig in unserer Kirche erlebt, daß, wenn zum Graduale ein Psalm aus dem GL gesungen wurde, der Kantor das «Ehre sei ...» einfach mitsang.
Nun ist das Graduale ein alterwürdiger Gesang, zu dem neuere Zutaten – das «Ehre sei ...» am Ende der Psalmen ist erst im IV. Jahrhundert entstanden – einfach noch nicht dazugehören.
Und siehe: in den letzten Jahren wird es verläßlich am Ende des Graduale nicht mehr gesungen.

Montag, 17. September 2018

«Er formulierte als erster klar ...»

In einer Kolumne von Nora Bossong zu einem ganz anderen Thema (Lust auf Revolution. taz vom 12. 9. 2018) lese ich über Antonio Gramsci (1891 – 1937): «Er formulierte als erster klar, dass staatliche Restriktionen einer gesellschaftlichen Legitimation bedürfen, dass es also nicht bloß das staatliche Machtmonopol ist, das Macht sichert, sondern auch der gesellschaftliche Konsens, der Common Sense, der dies hinnimmt.»
Ich zitiere die zweite Strophe der Hymne des deutschen Kaiserreichs der Hohenzollern, die auf Heinrich Harries (1762 – 1802) zurückgeht:
«Nicht Ross und Reisige
sichern die steile Höh,
wo Fürsten stehn:
Liebe des Vaterlands,
Liebe des freien Manns
gründet den Herrscherthron
wie Fels im Meer.»

Freitag, 7. September 2018

Papst Franziskus und Mons. Viganò

Zwei Parteien stehen sich scharf gegenüber; aber, wenn auch keine eigentliche Synthese zu erkennen ist, so tut doch Dialektik not. Das Ergebnis ist hier zu finden: Franciscus P.P. I. – ein kirchengeschichtlich einmaliges Experiment

Samstag, 18. August 2018

Der von der Geschichtsschreibung am meisten verdammte Papst

war Alexander VI. (1492-1503). Sicher liegt es an der Reformation, daß, um ihnen eine Mitschuld daran zuzuschreiben, die Renaissance-Päpste mehr verdammt werden als die Päpste des Secolo oscuro; aber es stimmt durchaus, daß man über die Person Alexanders VI. Schlimmes sagen kann.
Interessant aber, was Gaetano Moroni (Dizionario di erudizione storico-ecclesiastica da San Pietro sino ai nostri giorni, vol. I, p. 242 / ich zitiere nach Scuola Ecclesia Mater) über ihn schreibt:
«So sehr auch Alexander seine Würde mit vielen Lastern entweiht hatte, dennoch hat er jederzeit in seinen Bullen die Reinheit der Lehre und die Maximen der Moral des Evangeliums aufrechterhalten.»
Was ist besser: solch ein Papst oder, umgekehrt, … ? Eine häßliche Alternative.

Dienstag, 7. August 2018

Eine orthodoxe Stimme zur katholischen Kirche unserer Zeit

Ein kürzlich erschienenes Buch über die Kirche in unserer Zeit gab einem orthodoxen Autor Gelegenheit, in einer Rezension selber Stellung zu nehmen.
Allerdings führt die konfessionelle Ferne zu einer Ungenauigkeit: für das seit Mitte der sechziger Jahre verwirklichte „Aggiornamento“ ist nicht das II. Vatikanische Konzil verantwortlich – es wurde in Gang gesetzt durch die „Konzilsspiritisten“, die einem angeblichen „Geist des Konzils“ huldigen, der mit den wirklichen Konstitutionen und Dekreten dieses Konzils nichts zu tun hat. So haben wir vor einiger Zeit aufgezeigt, daß die nach dem Konzil verwirklichten Liturgiereformen sich von Geist und Buchstaben der Konzilskonstitution weit entfernt haben.

Nichtsdestoweniger ist der orthodoxe Text beachtenswert. Schlüsselsätze sind:

« Das vom II. Vatikanischen Konzil verwirklichte Aggiornamento, das sich vorgenommen hatte, sich den Herausforderungen der modernen Welt zu stellen, hat nichts anderes getan als sich ihr anzupassen. In der Absicht, im Säkulum, in der Welt unserer Zeit gehört zu werden, hat sich der Katholizismus säkularisiert. Aus Furcht, die eigene Identität hervorzuheben, hat er sich relativiert bis zu dem Punkt, daß eine große Zahl von Gläubigen in ihm nicht mehr die Merkmale fanden, an die sie gewöhnt waren oder die sie erwarteten, und kein Interesse mehr hatten, in ihm das zu suchen, was die Welt ihnen schon in einer weniger gewundenen Weise bot. »
Letzteres knüpft an eine wohlbekannte Erkenntnis an: wenn die Kirche die Welt dadurch gewinnen will, daß sie weltlich wird, so wird sie erfahren müssen, daß sie von der Welt im Weltlichsein immer übertroffen werden wird.

Der ganze Text ist zu finden als
Recension: Guillaume Cuchet, « Comment notre monde a cessé d’être chrétien. Anatomie d’un effondrement » von Jean-Claude Larchet (dort auch in Englisch, bei Traditio liturgica in Italienisch).