Freitag, 5. Juli 2019

Reliquien des heiligen Petrus

Ein kleiner Anfang, große Folgen: einige Teile der Gebeine des heiligen Petrus hatte Papst Paul VI. für seine persönliche Andacht in seine Privatkapelle verbringen lassen. Nun braucht Papst Franziskus I. sie dort nicht mehr; so hat er sie verschenkt, ausgerechnet nach Konstantinopel.
Nun ist es eine seit alters her verbreitete Sitte, Gebeine von Heiligen aufzuteilen, um deren Reliquien in möglichst vielen Orten zu haben. Allerdings gerade die römische Kirche war dabei immer eher zurückhaltend; und mir gefällt es mehr, wenn die Gebeine insgesamt irgendwo aufbewahrt und verehrt werden, als wenn es hier ein Knöchelchen, dort ein Knöchelchen gibt. Ich fürchte, daß die provinziellen Partikel-Reliquien allzu oft mehr als „Heilsmittel“, also als Mittel zum Zweck betrachtet wurden, als daß sie wirklicher dem Heiligen gebührender Verehrung Raum geschaffen hätten.
Aber nun muß also auch Petrus jener alten provinziellen Sitte fügen.

Aber wenn schon aufteilen und verschenken: wem? Daß dieses Geschenk an den Ökumenischen Patriarchen gerade in unseren Tagen zu schwerwiegenden Mißverständnissen führen kann, ist bereits gesagt worden. Aber wenn schon verschenken: wem?
Das Wirken des heiligen Petrus begann in Jerusalem; dann zog er nach Antiochien – weshalb das alte römische Fest der Kathedra Petri vom 22. Februar seit dem XVI. Jahrhundert bis 1960 als Fest seiner antiochenischen Kathedra galt –, danach nach Rom.
Wenn ich das Aufteilen und Verschenken keinesfalls befürworte: wenn schon verschenken, dann hätten sich die Patriarchen von Jerusalem und Antiochien eher als Empfänger empfohlen.

Mittwoch, 1. Mai 2019

Sehschwäche alter Priester

«Bis ans Ende der Zeiten versammelst Du Dir ein Volk, damit Deinem Namen das reine Opfer dargebracht werde vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang.»
Es ist das Dritte Hochgebet, das gesprochen wird. Doch es ist ein alter, längst pensionierter Priester. Es gelingt ihm nicht mehr, den Text richtig zu lesen; ich höre statt dessen: daß «ein Mahl» gehalten werde.
Seit 2003 werden Brillen nicht mehr von der Krankenkasse bezahlt; zwar ist das seit 2106 wieder teilweise möglich, aber nur äußerst beschränkt. Darum muß es ein Anliegen der Pfarrgemeinden sein, alte sehbehinderte Priester mit Brillen zu versorgen, daß sie zumindest den Text des Hochgebets richtig lesen können und möglichst sich auch wieder an Texte, die im Meßbuch kleiner gedruckt sind wie etwa der Embolismus, heranwagen können.

Dienstag, 29. Januar 2019

Am Fest der Translatio des heiligen Thomas

bekam ich Anlaß zu einem aufschlußreichen Gespräch.
Der Laie meint natürlich, daß die Summa Theologica des heiligen Thomas zusammen mit Bibel und Denzinger oder Mansi die Grundausrüstung für die Arbeit eines jeden Theologen darstellt. Doch nun erfahre ich, daß es keineswegs so ist, daß nicht nur nicht jeder Theologe sie stets zur Hand hat, daß sie nicht einmal mehr im Theologiestudium eine zentrale Rolle spielt, geschweige denn immer gegenwärtig sei.
So läßt sich verstehen, wie es zu solcher „Theologie“ kommen kann.



Samstag, 19. Januar 2019

Das ganze Kirchenrecht

aus der großen Zeit der Kirche ist hier zu finden:
Canon Law – sprich: Codex juris canonici

Donnerstag, 29. November 2018

Wieder ein kleiner Schritt, der gut tut

Bis vor wenigen Jahren habe ich regelmäßig in unserer Kirche erlebt, daß, wenn zum Graduale ein Psalm aus dem GL gesungen wurde, der Kantor das «Ehre sei ...» einfach mitsang.
Nun ist das Graduale ein alterwürdiger Gesang, zu dem neuere Zutaten – das «Ehre sei ...» am Ende der Psalmen ist erst im IV. Jahrhundert entstanden – einfach noch nicht dazugehören.
Und siehe: in den letzten Jahren wird es verläßlich am Ende des Graduale nicht mehr gesungen.

Montag, 17. September 2018

«Er formulierte als erster klar ...»

In einer Kolumne von Nora Bossong zu einem ganz anderen Thema (Lust auf Revolution. taz vom 12. 9. 2018) lese ich über Antonio Gramsci (1891 – 1937): «Er formulierte als erster klar, dass staatliche Restriktionen einer gesellschaftlichen Legitimation bedürfen, dass es also nicht bloß das staatliche Machtmonopol ist, das Macht sichert, sondern auch der gesellschaftliche Konsens, der Common Sense, der dies hinnimmt.»
Ich zitiere die zweite Strophe der Hymne des deutschen Kaiserreichs der Hohenzollern, die auf Heinrich Harries (1762 – 1802) zurückgeht:
«Nicht Ross und Reisige
sichern die steile Höh,
wo Fürsten stehn:
Liebe des Vaterlands,
Liebe des freien Manns
gründet den Herrscherthron
wie Fels im Meer.»

Freitag, 7. September 2018

Papst Franziskus und Mons. Viganò

Zwei Parteien stehen sich scharf gegenüber; aber, wenn auch keine eigentliche Synthese zu erkennen ist, so tut doch Dialektik not. Das Ergebnis ist hier zu finden: Franciscus P.P. I. – ein kirchengeschichtlich einmaliges Experiment