Dienstag, 27. Oktober 2020
Eine kalte Geschichte:
Der Mythos von 18°
«Etwa null Grad Réaumur» steht in einer «kalten Geschichte» von Wilhelm Busch. Zu dessen Zeit, der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts, maß man die Temperatur in Deutschland nicht nach Celsius, sondern nach Réaumur. 18°R aber sind 22,5°C – und das ist schon eine Temperatur, bei der man sich – jedenfalls wenn man die Ansprüche des XIX. Jahrhunderts hat – wohlzufühlen beginnt.
Montag, 26. Oktober 2020
Papst Franziskus: «Yo siempre defendí la doctrina»
Daraus wurde, indem einige Sätze des Papstes zusammengeschnitten wurden, der falsche Eindruck erweckt, er billige solchen Verbindungen den Rang einer wirklichen Familie zu.
Sandro Magister hat die verschiedenen Äußerungen des Papstes zusammengestellt und die Montage deutlich gezeigt.
Und dabei zeigt sich auch sein Satz «Wer bin ich zu richten?», der seinerzeit Furore machte, durch den dort nun aufgezeigten Zusammenhang in anderem Licht.
Dienstag, 13. Oktober 2020
In honorem Francisci PP. I.
Oft haben wir uns kritisch über das Wirken Papst Franziskus’ I. und seiner Paladine geäußert, von der Schikanierung der Franziskaner der Immaculata bis zum Tiefpunkt seines Pontifikats, der Pachamama im Vatikan. Aber wir sehen auch, daß in letzter Zeit der Papst mehr und mehr dem zeitgeistigen Wind (gerade dem aus deutschen Landen) widersteht.
Und nun hat er eine Enzyklika herausgegeben, die Themata dieser Welt behandelt und kaum auf Transzendentes anspielt. Und sogleich kommen Vorwürfe (auch von einem prominenten Denker wie Salvatore Natoli), der Papst habe sich von aller Transzendenz abgewandt und beschäftige sich nur noch mit Politik. Es gab Zeiten (auch Äußerungen von Mitarbeitern des Papstes), da solch ein Eindruck begründet erschien. Doch das sagt nichts über eine Enzyklika wie die jetzige.
Innerweltliche Themata aus moralischer Sicht zu behandeln, ist durchaus Aufgabe des kirchlichen Lehramts, und Francesco Arzillo hat (im selben Positum auf Settimo Cielo [in vier Sprachen], in dem auch Salvatore Natolis Stellungnahme veröffentlicht ist) aufgezeigt, daß diese Enzyklika eine gültige Lehraussage ist, durchaus nicht des Bezugs nach oben entbehrt.
Daß deshalb ein protestantischer Autor, dem kath.net Raum gibt, dem Papst vorwirft, er sei parteipolitisch, ist Unfug: moralische Aussagen sind moralische Aussagen, unabhängig davon, ob sie einer Partei besser gefallen als einer anderen. Und sie abzulehnen, weil sie Fridays for Future bejubelt werden (selber wollte ich letztes Jahr durchaus nicht zur FFF-Großdemonstration gehen, wohl aber tags darauf wieder mit dem „Marsch für das Leben“, hatte jedoch an dem Tag Dienst), bedeutet Gegenabhängigkeit (man lehnt etwas ab, nur weil irgendwer, den man ablehnt, dafür ist) – die aber ist eines christlichen Denkers unwürdig.
Dienstag, 29. September 2020
Mittwoch, 19. August 2020
„Aufpfropfungen“ in den Texten des II. Vaticanum
Die alttestamentliche Lesung am letzten Sonntag (ord. Usus) war aus Jesaja. Besonders markant der Vers: «Und die Fremden, die sich dem HERRN anschließen, um ihm zu dienen und den Namen des HERRN zu lieben, um seine Knechte zu sein, alle, die den Sabbat halten und ihn nicht entweihen und die an meinem Bund festhalten.» (56, 6; EÜ)
Diese Schriftstelle weckt die Erinnerung an eine besonders auffällige derartige „Aufpfropfung“ in der Liturgiekonstitution „Sacrosanctum concilium“:
Nach dem Text der Konstitution, aber vor der Korroborationsformel folgt ein „Appendix“, eine „Erklärung über die Überprüfung des Kalenders“. In den sechziger Jahren war der Gedanke an eine Kalenderreform in Mode, die jedem Tag des Jahres einen festen Wochentag zuweist und Ostern einem festen Tag des gregorianischen Kalenders zuweist.
Letzterem erteilt der Appendix seine Einwilligung, wenn nur auch die Brüder, die von der Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhl getrennt sind, zustimmen.
Welch eine Vorstellung! Die orthodoxen Kirchen, die für ihre Osterberechnung nicht einmal die astronomischen Gründe der gregorianischen Reform akzeptieren, könnten nun einem Osterfestdatum zustimmen, das nur in der größeren Bequemlichkeit des Kalenderdrucks sowie längerfristiger Verabredungen begründet sind.
Immerhin macht der Appendix den Vorbehalt, daß der Ablauf der siebentägigen Woche unangetastet bleibt, ohne Einschub irgendwelcher Tage außerhalb der Woche – also ohne den „Silvester-“ und (im Schaltjahr) den „Johannistag“, welche jenes Projekts der Kalenderreform erfordert. Doch dann folgt: «wenn nicht schwerstwiegende Gründe hinzutreten, über die der Apostolische Stuhl das Urteil abzugeben hat.»
Was in den Zehn Geboten erscheint, was laut Jesaja für den Glauben der Juden, aber darüber hinaus auch für «die Fremden, die sich dem HERRN anschließen», im Mittelpunkt steht, was seit alttestamentlicher Zeit bewahrt wurde, der unveränderliche Ablauf der siebentägigen Woche, könnte nun plötzlich aus irgendwelchen «schwerstwiegenden Gründen» aufgegeben werden.
Haben die Konzilsväter, als sie diese Konstitution unterschrieben haben, diesen Appendix, der in der Edition der Konstitution zwischen deren Text und die Formel, die den Unterschriften vorangeht, eingeschoben ist, schon gesehen? Falls es so sein sollte, mögen sie ihn als bedeutungslos betrachtet haben, denn er setzt ja die Zustimmung der Ostkirchen voraus, die völlig ausgeschlossen ist.
Donnerstag, 23. Juli 2020
Donnerstag, 9. Juli 2020
Wir brauchen ein neues Sakramentale
Damit wir uns in der Kirche wieder mit geweihter Flüssigkeit bekreuzigen können, damit sonntags die Aspersion wieder ohne Bedenken um Aërosole stattfinden kann, brauchen wir ein neues Sakramentale: die Desinfektionsmittelweihe. Auch einzelne Bistümer können ein Formular dafür schaffen («Exorcizo te, creatura disinfectantis ...»).

